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Linus Pauling war einer der herausragendsten wissenschaftlichen Denker dieses Jahrhunderts und Atomwaffengegner. Er erhielt 1954 den Nobelpreis für Chemie für seine Forschungen über die Molekülstruktur der Proteine und 1962 den Nobelpreis für den Frieden für seine Anstrengungen, Kernwaffentests zu beenden. (Der Friedensnobelpreis wurde ihm nachträglich im Jahre 1963 zuerkannt, nachdem das Moskauer Abkommen über ein Verbot der Kernwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser unterzeichnet wurde.)

Paulings Abschlussfoto des Oregon College, 1922Pauling stammte aus einer deutschen Einwandererfamilie. Er wurde am 28. Februar 1901 als Sohn eines deutschen Apothekers in Portland im US-Staat Oregon geboren. Bereits mit 16 Jahren nahm er in der USA sein Studium der Mathematik, Physik und Chemie auf. Mit Hilfe eines Guggenheim-Stipendiums reiste Pauling 1926 nach Europa, um bei Arnold Sommerfeld in München, Niels Bohr in Kopenhagen und Erwin Schrödinger in Zürich weiterzustudieren. Er widmete die zwei Jahre in Europa ganz seiner Arbeit auf dem neuen Feld der Quantenmechanik und entschied, dass dies der zukünftige Schwerpunkt seiner Forschungen sein sollte. Damit wurde er einer der ersten Wissenschaftler auf diesem Gebiet. 1927 dann übernahm er eine Assistenzprofessur am CalTech (California Institute of Technology) für Theoretische Chemie. Dort setzte er seine Röntgenstudien an Kristallen fort und beschäftigte sich mit quantenmechanischen Berechnungen bei Atomen und Molekülen.

In den 1930er Jahren begann Pauling mit der Veröffentlichung von Aufsätzen über die Natur von chemischen Bindungen, die 1939 in seinem berühmten Buch "Die Natur der chemischen Bindung" (Originaltitel: "The Nature of the Chemical Bond") veröffentlicht wurden. Vor allem für seine Arbeiten auf diesem Feld erhielt er 1954 den Nobelpreis für Chemie "für seine Forschungen über die Natur der chemischen Bindung und deren Anwendung zur Erhellung der Strukturen von komplexen Substanzen".

Der Zweite Weltkrieg verursachte eine grundlegende Änderung in Paulings Leben. Bis zu diesem Zeitpunkt war er ziemlich unpolitisch, aber als Ergebnis seiner Erfahrungen engagierte er sich als Friedensaktivist. 1946 wurde er Mitglied des Emergency Committee of Atomic Scientists, dem Albert Einstein vorsaß und der die Öffentlichkeit über die Gefahren aufklären wollte, die von Nuklearwaffen ausgehen. 1957 begann Pauling zusammen mit dem Biologen Barry Commoner einen Petitionsfeldzug. Dieser hatte die Verteilung von radioaktiven Strontium-90 in den Milchzähnen von Kindern in ganz Nordamerika untersucht und war zu dem Schluss gekommen, dass die überirdischen Atomtests große Gesundheitsrisiken durch den radioaktiven Fallout mit sich bringen. 1958 übergaben Pauling und seine Frau der US-Regierung eine Petition der Vereinten Nationen, die von mehr als 11.000 Wissenschaftlern unterzeichnet wurde und ein Ende der Atomtests verlangte. Der darauf folgende öffentliche Druck führte zu einem Moratorium und einem Testverbot, das John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow 1963 unterschrieben. Am Tag, an dem der Vertrag in Kraft trat, vergab das Nobelpreis-Komitee Pauling den Friedensnobelpreis: "Linus Carl Pauling hat sich seit 1946 immer unablässig eingesetzt, nicht nur gegen Atomwaffentests, nicht nur gegen die Verbreitung von Atomwaffen, auch nicht gegen deren Verwendung, sondern gegen jegliche Kriegsführung als Maßnahme zur Lösung internationaler Konflikte."

Linus Pauling

Linus Carl Pauling (1901-1994). Geboren in Portland (Oregon) als Sohn einer um 1900 aus Deutschland in die USA ausgewanderten Apothekerfamilie. Zweifacher Nobelpreisträger und einer der bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Begründer der "Orthomolekularen Medizin"

Begründer der Orthomolekularen Medizin: Der zweifache Nobel-Preisträger Linus Pauling

Die wissenschaftliche Arbeit Paulings späterer Jahre hat viele Kontroversen verursacht und wird von vielen Wissenschaftlern nach wie vor mit Argwohn betrachtet. 1966, im Alter von 65 Jahren, begann er die Ideen des Biochemikers Irwin Stone zu übernehmen, der in großen Dosen von Vitamin C ein Mittel gegen Erkältungen sah. Pauling ging noch weiter und stellte die Behauptung auf, dass Vitamine in hohen Dosen auch gegen Krebs vorsorgen könnten. Er selbst nahm jeden Tag 10 Gramm Vitamin C zu sich.

Linus Pauling vor TafelWährend viele Wissenschaftler diese Annahmen nicht für gültig erachten, gibt es eine wachsende Zahl, die überzeugt ist, dass dies einer der Fälle ist, in denen natürliche Substanzen im Körper Krankheiten verhindern können. Daraus entwickelte sich die neue Disziplin der orthomolekularen Medizin. Als Pauling 1974 in Rente ging, gründete er zusammen mit anderen das Institut für Orthomolekulare Medizin in Palo Alto, Kalifornien, das heute das Pauling Institute of Science and Medicine ist. Heute ist das Institut von den massiven Dosen Vitamin C wieder abgekommen. Pauling selbst war hingegen mit plakativen Formulierungen ("Vitamine, Vitamine!") gegen fast jedes medizinische Problem vorgegangen. Als Vollmitglied und Ehrenpräsident engagierte sich Linus Pauling aktiv zusammen mit dem Nobelpreisträger Alexander Michailowitsch Prochorow (Russland) und dem Psychosomatiker Yujiro Ikemi (Japan) für den Aufbau der International Academy of Science.

Linus PaulingLinus Pauling und Marie Curie sind die beiden einzigen Menschen, die einen Nobelpreis auf mehr als einem Gebiet erhalten haben, wobei Linus Pauling der einzige ist, der ihn zweimal erhielt, ohne ihn mit einem anderen Menschen teilen zu müssen.

Pauling starb im hohen Alter von 93 Jahren an Altersschwäche und trug einen in dieser Lebensphase für Männer sehr häufigen Prostatakrebs in sich, den 3/4 aller Männer über 80 Jahre haben, auf seiner Farm in Big Sur in Kalifornien. Bis zu diesem hohen Alter war Prof. Linus Pauling sehr rüstig und geistig hellwach. Seine Vitalität und sein hohes Alter führte er auf seine gesunde Lebensweise und die Einnahme von Vitalstoffen zurück.